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dvta-Service, 02-2012
Berufspolitik

Berufspolitik

Der Neujahrsempfang der deutschen Ärzteschaft

fand wiederum im Wintergarten des KaDeWe, Berlin, statt. Am 19.01.12 trafen sich 600 Vertreter aus Gesundheitswesen, Wirtschaft und Politik. In ihren Ansprachen gingen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), Dr. Andreas Köhler, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung und Dr. Frank Montgomery auf die aktuelle Novellierung der GOÄ und die Umsetzung des Versorgungsstrukturgesetz ein. Da auch das Bundeskabinett und die Länder beteiligt sind, liegt es nicht am Gesundheitsminister allein, dass die Novelle der GOÄ nicht voran kommt. Der Bundesgesundheitsminister ging auch auf den demographischen Wandel ein und konstatierte, das die versammelte Ärzteschar für die Zukunft nicht repräsentativ sei, da überwiegend männlich. Der Anteil an Frauen, die Medizin studieren, hat deutlich zugenommen. Die Ärzteschaft wird weiblicher und damit einher geht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Schaffung von neuen Rahmenbedingungn. „Wenn ich von hier aus in die Reihen schaue, dann weiß ich, dass Sie nicht repräsentativ für die zukünftigen Mediziner sind“, rief Bahr seinem Publikum zu, das überwiegend aus Männern in den besten Jahren bestand. Im Weiteren hob Daniel Bahr den gemeinsamen Entwurf von BMG und BMJ eines Patientenrechtegesetzes hervor. Die Patientenakte soll in Zukunft das wichtigste Dokument sein. Beispielsweise soll bei groben Behandlungsfehlern der Arzt beweisen, dass die Behandlung fehlerhaft war.

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Beim anschließenden Essen nutzten die Gäste die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.



✓In Sachen Pflegekammer

Ende 2011 war in Oldenburg eine Informationsveranstaltung zur Gründung einer Pflegekammer in Niedersachsen. Da Kammern Körperschaften des öffentlichen Rechts sind, liegt die Hoheit bei den Bundesländern. Sie müssen die Kammern errichten und sind zuständig für die staatliche Aufsicht. Bislang ist die Gründung von Pflegekammern in verschiedenen Bundesländern diskutiert worden. Zuletzt machte sich Markus Söder in seiner Funktion als Gesundheitsminister (bis Okt. 2011) für eine Pflegekammer in Bayern stark. Um die Gründung von Pflegekammern zu forcieren, wurde seitens der Pflege die Nationale Konferenz gegründet, um Initiativen auf Länderebene zur Errichtung von Pflegekammern zu fördern. Die Initiatoren aus den Pflegeberufen sehen die Hauptaufgabe einer Kammer für Pflegeberuf darin, zum Wohle der Allgemeinheit die Bürgerinnen und Bürger vor gesundheitlichen Nachteilen und Schäden durch unsachgemäße Pflege zu schützen. In den Zuständigkeitsbereich einer Pflegekammer fällt außerdem die Beratung des Gesetzes- und Verordnungsgebers, die Beteiligung bei Gesetzgebungsverfahren, die Kooperation mit der öffentlich-rechtlichen Verwaltung, Gutachtertätigkeit und Benennung von Sachverständigen, Schiedsstellentätigkeit zur Beilegung von Streitigkeiten, die sich aus der Berufsausübung zwischen Mitgliedern oder zwischen diesen und Dritten ergeben, Implementierung und Durchsetzung einer für alle Angehörigen der Pflegeberufe gültigen Berufsethik, Förderung, Regelung, Überwachung und Anerkennung der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildungen, Abnahme von Prüfungen, Registrierung aller Angehörigen der Pflegeberufe im entsprechenden Bundesland, Vergabe von Lizenzen und Kooperation und Kontaktpflege mit anderen nationalen und internationalen Institutionen im Gesundheitswesen. Derzeit gibt es in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Fördervereine zur Errichtung von Pflegekammern. Weitere Information erhalten Sie unter http://www.pflegekammer.de



✓Branchenmonitoring Rheinland-Pfalz

Als Konsequenz des Branchenmonitorings 2011 in Rheinland-Pfalz bzgl. Bedarf an Fachkräften im Gesundheitswesen und dem nachgewiesenen Mangel, handelt das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie. Das Projekt „Ausbildungsstätten Gesundheitsfachberufe – Gutachten und Ausbildungsstätten 2012“ wurde am 15.12.11 gestartet. Ziel des Projekts ist die Ermittlung von Daten zur Lage der einzelnen Ausbildungsstätten, um berufs- und regionenspezifische Kennzahlen zum Ausbildungsbedarf zu entwickeln. Wie schon das Branchenmonitoring wird auch dieses Projekt von IWAK/Frankfurt, durchgeführt. Das Ministerium gründet am 31.01.12 einen Fachbeirat, um mit den Experten aus den jeweiligen Berufen das Projekt zu begleiten.



✓Bericht vom Laborforum Augsburg am 28.10.2011

Die Veranstaltung wurde eröffnet von Herrn Dr. med. Michael Mueller, Facharzt für Laboratoriumsmedizin aus Oldenburg.

Sie war sehr gut organisiert und die vielen Teilnehmer waren sich einig, die Veranstaltung zukünftig in diesem Rahmen wieder besuchen zu können.

Im Laufe des Tages wurden interessante und abwechslungsreiche Seminare und Workshops angeboten zu den Themen:

Präanalytik

korrekte Interpretation von Referenzwerten

neue Messgrößen im Bereich Klinische Chemie / Immunologie und deren Bewertung

Pipettieren mit System

In den Pausen zwischen den Workshops und Seminaren war Gelegenheit, sich in der Industrieausstellung neue diagnostische Applikationen und Neuheiten zu hämatologischen Gerätesystemen und Geräteserien aus den Bereichen Klinische Chemie und Immunologie erklären zu lassen.

Positiv war, dass jeweils genügend Zeit blieb für Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen und den Mitarbeitern der teilnehmenden Firmen.

Am Nachmittag fand eine Podiumsdiskussion zu dem Thema „In- oder Outsourcing des Labors, des Laborpersonals oder gar der Manager?“ Grundlage für die Podiumsdiskussion bildete der Vortrag von Herrn Dr. Michael Müller, Vorsitzender des Berufsverbandes der deutschen Laborärzte (BDL).

Er präsentierte eine Analyse des heutigen Labormarktes und berichtete, dass ein erhöhter Kostendruck viele Kliniken zum Outsourcing von Krankenhauslaboratorien motiviere und forderte eine Weiterentwicklung der Leistungskataloge GOÄ und EBM. Er berichtete über die Delegation fachärztlicher Leistungen an MTLA, etwa im Sinne einer Vor- oder Endbefundung bzw. einer biomedizinischen Validierung der Laborergebnisse. Dies würde dann allerdings bedeuten, dass Leistungen, die bisher von MTLA erbracht werden an Dritte delegiert werden könnten. Er könne sich vorstellen, dass es sich hierbei beispielsweise um Material- und Probenentnahme, Verteilung, Archivierung oder Bestückung, Bedienung und Wartung der Geräten handeln könne.
Herr Manfred R. Schell, Labormanager eines großen Privatlabors, stellte in den Raum, dass es künftig weniger eigenständige Krankenhauslabore geben werde und eine Vergabe von Laborleistungen an Privatanbieter zunehmen wird. Die POCT-Diagnostik werde weiterhin an Stellenwert zunehmen, was letztendlich auch eine große Anzahl an Arbeitsplätzen in den Laboratorien vernichten wird.

Herr Florian Kainzinger, Geschäftsführer Strategie & Labormanagement aus Berlin, berichtete über die Ergebnisse des Modells „Satellitenlabore“ am Beispiel der Charité in Berlin und sieht einen Stellenabbau in den Medizinischen Laboratorien ebenfalls realistisch, was bei den Zuhörern im Plenum große Unruhe aufkommen ließ. Er führte an, dass die Wertschätzung der Labormitarbeiter nicht von der Laborgröße oder Trägerschaft einer Organisation abhängig sei, sondern von der Führungsqualität der Laborleitung.

Frau Marianne Nordheim, Vorstand /dvta, fordert, dass die Ausbildung der MTA-Berufe in vertikaler Richtung dringend aktualisiert werden muss und verweist auf europäische Bachelor- und Masterabschlüsse, die dem Biomedical Scientist auch wissenschaftliches Arbeiten ermöglicht. Sie führte weiterhin an, dass auf Grund des demographischen Wandels auch ein Austausch von Mitarbeitern innerhalb Europa in Medizinischen Laboratorien sinnvoll wäre. Dies ist bisher nicht möglich, weil Politiker und Gewerkschaften eine Weiterbildung für MTA-Berufe mit Erwerb eines akademischen Grades massiv blockieren. Diese Weiterbildung sei aber notwendig, um eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung der Patienten weiterhin sicher zu stellen und eine Delegation von bisher ärztlichen Tätigkeiten an MTLA zu ermöglichen.
Herr Prof. Dr. med. Jörg F. Debatin, Vorsitzender / Amedes Labordienstleister, ehemals ärztlicher Direktor am UKE Hamburg, sieht mit großer Sorge die geplanten Schließungen der Lehrstühle Klinische Chemie und Mikrobiologie , was die Qualität der Diagnostik beeinträchtige und sich negativ auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung auswirken könnte.

Er weist darauf hin, dass eine präzise Diagnostik von großer Bedeutung für den Patienten sei und dass oftmals hohe Folgekosten im Klinikalltag auf Grund falscher Entscheidungen produziert werden.

Frau Nordheim sieht das größte Einsparpotential im deutschen Gesundheitswesen nicht im Bereich der Labormedizin, die weit unter 5 % der Gesamtkosten ausmacht, sondern vielmehr in der immer größer und mächtiger werdenden teuren Bürokratie, was aber leider aus Zeitgründen nicht mehr näher diskutiert werden konnte.

✓Kongress Vernetzte Gesundheit – Versorgung gestalten? Neue Perspektiven für Gesundheit am 18.und 19.01.2012 in Kiel

Am 18. und 19.01.2012 fand in Kiel der Kongress „Vernetzte Gesundheit – Versorgung gestalten? Neue Perspektiven für Gesundheit“ statt.

Thema des Kongresses war das am 01.01.2012 in Kraft getretene Versorgungsstrukturgesetz. Der Gesundheitsminister Herr Bahr machte deutlich, dass das Bundesministerium für Gesundheit die Vernetzung als eine der Zukunftsaufgaben ansieht. Dabei seien insbesondere die Entlastung der Ärzte, eine verzahntere Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe und Konzepte gegen den Nachwuchsmangel in den Gesundheitsberufen die wichtigsten Aufgaben. Neben der Verbesserung der Arbeitsbedingungen solle insbesondere auch die Liste der Delegationsfähigen Leistungen hier Abhilfe schaffen.

Zitat aus dem Gesetz dazu: Delegation ärztlicher Leistung § 28 SGB V
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband werden dazu aufgefordert, innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes (also bis zum 30. Juni 2012) eine Liste delegationsfähiger Leistungen in der ambulanten ärztlichen Versorgung zu erstellen (§ 28 Absatz 1 SGB V). Die Bundesärztekammer kann hierzu Stellung nehmen. Bei der Delegation ärztlicher Leistungen muss, so die Gesetzesbegründung, die Letztverantwortung des Arztes erhalten bleiben. Der Arzt muss jedoch die Hilfsperson je nach den Erfordernissen überwachen und anleiten. Unberührt davon bleibt die durch den Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossene Richtlinie zur Heilkundeübertragung im Rahmen von Modellvorhaben. In dieser wurde festgelegt, in welchen Fällen eine Übertragung von Heilkunde auf Angehörige der Pflegebeberufe möglich ist. Hierzu besteht die Möglichkeit für die Krankenkassen, entsprechende Modellvorhaben durchzuführen (§ 63 Absatz 3 c SGB V).

Der dvta hat auf dem Kongress Kontakte zur Ärztekammer Schleswig-Holstein geknüpft, um mit ihr zu erörtern, wie eine Arztentlastung durch MTA derzeit schon stattfindet und noch ausgebaut werden könnte.

Festgehalten wurde auch, dass eine qualitative Gesundheitsversorgung auch eine (Teil-) Akademisierung der Gesundheitsberufe bedingt und dass die Fachhochschulen des Landes Schleswig-Holstein dem positiv gegenüberstehen. In einem Gespräch mit Herr Dr. Riehl konnte auch geklärt werden, dass das Ministerium derzeit eine Bedarfsanfrage an ausgewählte Krankenhäuser gesandt hat, um den Bedarf für eine MTLA-Ausbildung in Schleswig-Holstein abzuklären und weiterhin Gespräche zur Wiederaufnahme der MTLA-Ausbildung stattfinden, bei denen auch über eine teilakademische Ausbildung nachgedacht wird.

Bedarf wurde auf dem Kongress auch in einer Überarbeitung der Zugangsvoraussetzungen zu einem Beruf und in der Schaffung von Durchlässigkeiten gesehen.


✓Weitere berufspolitische Termine am 02.02.2012 und 08.02.2012

Die ARGE Professionalisierung Gesundheitsberufe, deren Mitglied der dvta ist, hat am 02.02.2012 einen Termin mit der Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Frau Barbara Steffens, in Düsseldorf und am 08.02.2012 mit der Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses des Bundesstages Frau Dr. Carola Reimann. Wir werden in der nächsten Ausgabe über die Ergebnisse dieser Termine berichten. n


Der Vorstand Die Vorstandsreferentin/Syndica

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